Diese Seite teilen:

Mein letzter Tweet:

Meine Audioboos

Do

11

Mär

2010

Austauschbarkeit ist Gift für Medien

Gestern kamen die neuen Hörerzahlen raus - die sogenannten MA Zahlen. Viele Sender haben gewonnen, nur 14 haben verloren. Besonderer Brennpunkt, wo Sender verloren haben, waren auch Sachsen und Thüringen. Zum Beispiel hat Antenne Thüringen ein paar Federn lassen müssen und auch Hitradio RTL Sachen ist nur sehr schlecht weggekommen. Ich stell mir bei solchen Erhebungen natürlich auch die Frage, inwieweit sie genau sind. Bei der MA ist das definitiv nicht der Fall. Erstens werden nur rund 65000 Leute befragt und zum zweiten ist die Befragung im Bezug auf Sendernamen keine wirklich genaue Methode. Im deutschen Radiomarkt haben sich bestimmte Marken sehr zeitig in die Marktführerposition begeben und stehen in den Bundesländern mittlerweile längst als Synonym für das Radio da. Gewinnen kann nur, wer seinen Namen oft genug im Programm erwähnt oder aber ein sehr außergewöhnliches Konzept. Doch außergewöhnliche Konzept brauchen Zeit sich zu etablieren und den Namen oft genug rauszuposaunen ist für den Hörer nicht besonders attraktiv.

Ich habe schon mit vielen Radiomachern geredet. Interessant war für mich die Aussage, dass sie sich besonders auf Umfragen verlassen, die regelmäßig durchgeführt werden, um herauszufinden, wann der Hörer ein- und wann er ausschaltet.  Außerdem werden regelmäßig sogenannte Musiktests durchgeführt, die zeigen sollen, was der Hörer besonders gerne hört. In der Regel wird dieses mit vorgefertigten Titelschemen gemacht.

Doch zerstören diese Analysen nicht die Radiokultur in Deutschland? Haben wir unsere UKW Sender als Radiomacher nicht mittlerweile so durchformatiert, dass Radio machen keinen Spaß mehr macht? Schließlich wird Radio nur noch an kommerziellen Interessen ausgerichtet. Musikredaktionen werden durch Online- und Telefonredaktionen ersetzt, gespielt wird nur, was lang genug getestet wurde und Moderatoren sollen möglichst nicht auffallen, damit sie austauschbar sind. Dieser Zustand macht mich traurig. Könnte nicht ein einziger Sender mal Initiative ergreifen und diesen Zustand ändern? Können Radiosender nicht mal anfangen, wieder Personalities und Musikredaktionen. So dumm das im ersten Moment klingt, aber wir müssen die Hörer wieder ein Stück entmündigen und ihnen gleichzeitig mehr Mitspracherecht geben. Mehr Mitspracherecht im Bereich der Themen des Programms. Ich habe in den letzten Monaten sehr intensiv BBC Radio 1 gehört. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Die Moderatoren sind Stars in Großbritanien, die Musik wird von einer Musikredaktion ausgesucht und der Sender hat mehr als 10 Millionen Hörer. Die Austauschbarkeit in den Medien ist ein wahres Gift geworden. Das gilt sowohl für die Programmattraktivität für Radiomacher, als auch für Radiohörer. Viele Menschen regen sich heute über das Radio auf. Und statt mit redaktionellem Aufwand und Personalities ihnen neue Attraktivität im Programm zu schenken. Das können wir aber nur, wenn wir wieder Hörer- und Kommerzunabhängiger arbeiten. Dies zu tun, wird nicht viele Geschäftsführer begeistern, da es ein Prozess ist, bis der Hörer darauf reagiert. Und es ist auch nicht leicht, zwischendurch schlechte MA Ergebnisse zu akzeptieren. Dennoch sollten es die Geschäftsführer und kreativen Köpfe hinter Radiostationen wagen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

  • loading