Di
26
Okt
2010
Alte Regeln brechen - das Internet machts möglich
Seit jeher arbeiten die Medien nach einem bestimmten Muster. Wir sind es gewohnt, dass im Radio meistens Musik läuft(oft die Gleiche), dass das Fernsehen immer mehr Scripted Reality und englische Formate sendet und dass die Zeitungen oftmals einen bewusst ernsten Ton anschlagen. Von diesen drei Medien hat wahrscheinlich die Zeitung immer noch den besten Ruf. Selbst unter den größten Twitterfanatikern spielt sie nach wie vor eine sehr wichtige Rolle.
Was sich im Netz durchgesetzt hat, was nicht
Anders sieht es beim Fernsehen und beim Radio aus. Am meisten kritisiert wird wahrscheinlich das Radio, welches immer die gleichen Hits runterdudelt und von Medienkritikern als "Skandal" bezeichnet wird. Das Fernsehen wird heftig kritisiert, weil die populären Sendungen immernoch Castings oder Scripted Reality sind. Die guten Sendungen sind dabei entweder im Nachtprogramm oder in Spartenprogrammen zu finden.
Neues bietet das Internet. Hier finden sich viele kreative Ansätze für neue Programme. Schauen wir mal, was das Internet als Konkurrenz für die Zeitung anbietet. Hier sehen wir eine wirklich gute Entwicklung zum Citizen Journalism, also dem Bürgerjournalismus. Diese Entwicklung hat schon kurz nach der Jahrtausendwende angefangen. Dabei müssen wir nicht nur in die Blogszene schauen, sondern können auch Richtung Twitter schauen. Gerade in diesem beiden Bereichen hat sich schon die Öffentlichkeit sehr interessiert. Bei Twitter besticht vor allem die Geschwindigkeit, mit denen Nachrichten an die Öffentlichkeit gerät. Blogs hingegen bestechen in bestimmten Teilen oft aus gut recherchierten Beiträgen. Besonders Schlagzeilen gemacht haben Gizmodo(ein Handyblog) und Netzpolitik.
Im Audiobereich gab es zunächst die Entwicklung Richtung On Demand Content. Das heißt Podcasts bestimmten bis rund 2008 die Szene. Der ganze Hype begann im Jahr 2003, als ein ehemaliger MTV Moderator mit Hilfe einer kleinen programmierten Umgebung es schaffte, über RSS Feeds Audiodateien zu verbreiten. Mittlerweile ist der Hype zumindest im privaten Bereich sehr abgeflaut. Nur noch wenige Podcaster sind wirklich aktiv. Einige wenige konnten dabei in Deutschland ihr Profil so schärfen, dass sie jetzt einen Job in dem Bereich, über den sie gesendet haben, bekommen haben. Wenige sind noch aktiv. Das Problem der Podcastszene: Einschalten und genießen ging nicht. Mit der Nutzung war ein nicht zu vernachlässigender Aufwand verbunden. Außerdem waren lediglich die Podcastmacher auch wirklich treue Podcasthörer und ein Entlohnungsmodell via Werbung ist mit Audioads gescheitert.
Mehr durchgesetzt hat sich das Internetradio. Dieses besteht schon seit Ende der 90er Jahre und konnte eine feste Hörerschaft etablieren. Die Antwort warum ist sehr einfach: Seit Jahren werden gute Geräte produziert, die es auch ohne großen Aufwand und mit schönen Geräten ermöglichen, Sender zu konsumieren. Die Folge: Laut Bitkom hören derzeit rund 16 Millionen Menschen Internetradio - tendenz stark steigend. Und die Industrie arbeitet darauf hin, daraus wirklich einen bleibenden Standard zu platzieren. Geplant sind unter anderem erste Tests von Blaupunkt für Internetradios im Auto. Hier könnte sich eine Medienrevolution zusammenbrauchen.
Im Fernsehbereich ist diese Revolution schon geschehen. Täglich werden Millionen von Videos im Netz angeklickt. Hier konnte sich, im Gegensatz zum Audiocontent, der On Demand Bereich durchsetzen. Grund war eine Plattform, die mittlerweile in den Besitz von Google übergegangen ist. Dabei werden vor allem aus dem TV bekannte Inhalte und Musikvideos angeschaut. Der Grund für den Erfolg: Der Nutzer will Inhalte ohne Werbung und zu der Zeit genießen, wann er will. Liveinhalte sind in diesem Bereich noch nicht viele zu finden. Nur N24, N-TV, die ARD und das ZDF übertragen (bestimmte Inhalte) live. Ansonsten gibt es viele Amateurübertragungen von Sportevents und eigene selbstgemachte Heimsendungen.
Besonders außergewöhnliche Formate sind interessant
Was vorwiegend bei Blogs, Twitter und Internetradios auffällt: Außergewöhnliche Inhalte bestimmen die Szene. Zwar können sich auch vereinzelt Mainstreamformate, wie zum Beispiel Top100Station durchsetzen, bei Digital Natives sind aber besonders Alternativen interessant. Spezialisierte Blogs sind meist erfolgreicher als Eierlegende Wollmilchsaublogs. Netzpolitik.org, Facebookmarketing.de und viele weitere zeigen, dass es sich lohnt, bei einem Blog sich auf seine Kernkompetenzen zu berufen.
Ähnlich sieht es bei Audiocontent im Netz aus. Hier zeichnete sich in den Podcasts schon ab, dass Menschen, die eine bestimmte Kompetenz haben, diese auch in einem Podcast gewinnbringend an die Massen bringen können. Natürlich spielt hier nicht nur allein das Thema eine Rolle, sondern auch die Art der Präsentation. Bessere Techniken bei der Betonung und Aussprache sorgen häufig für wesentlich höhere Hörerzahlen.
Gleiches gilt im Webradio auch. Hier kommt auch eine musikalische Spezialisierung dazu, die dafür sorgt, dass der Hörer sich an eine Form bietet. Damit zeigt sich: Einheitsbrei kann sich in Deutschland nicht festsetzen, wenn es um die Leser- und Hörerzahlen geht. Eine Spezialisierung führt am Ende zu einer Festsetzung der Zielgruppe. Die interessantesten und wichtigstens Produzenten von Text- und Audiocontent haben sich durchgesetzt bzw. können sich durchsetzen. Dabei spielen gezielte Interessen eine wichtige Rolle. Im Bereich des Internetradios müssen dabei zwei Spezialisierungen folgen: Zum einen muss die Gewichtung zwischen Moderation und Musik entschieden werden und zum anderen die musikalische Identität. Bei der thematischen Ausrichtungen erfolgen ähnliche Prozesse, wie das beispielsweise im etablierten Rundfunk der Fall ist.
Beim Blog ist vorwiegend die thematische Ausrichtung interessant, sowie der Neuigkeitswert. Selbstrecherchiert gewinnt hier vor abgeschrieben. Somit wandelt sich der Medienkonsum durch die Infrastruktur Internet erheblich. In einem weiteren Blogeintrag werde ich euch berichten, was ich warum an Radio höre.
Christoph Till
