Di
01
Feb
2011
Sind deutsche Medien schlecht?
Die Ägyptenproblematik erhitzt nach wie vor die Gemüter, sowohl der Blogger, als auch der Medienjournalisten. "Warum ist die deutsche Berichterstattung so schlecht?" - wird gefragt und auch werden vor allem die Fernsehmedien offen kritisiert für ihre unzureichende Berichterstattung. Aber was macht die deutschen Medien eigentlich so schlecht? Sparen wir zu sehr?
Die Antwort darauf zu finden ist sicherlich nicht leicht. In jedem Fall spielt in den privaten Medien vor allem eines eine Rolle: Die Übertragbarkeit auf die jeweilige Gesellschaft. Sehr oft wird dort gefragt "Wie ist das Thema auf unsere Zuschauer übertragbar?" - oder "Was haben unsere Zuschauer davon?" Der Serviceaspekt ist ein ganz stark tragender in deutschen Medien. Nicht wenige Deutsche fliegen im Jahr nach Ägypten. Deshalb wird vorwiegend auf die Airlines geschaut. Was nicht so wichtig scheint: Wie kommt dieser Konflikt zustande? Welche politischen Hintergründe gibt es? Kein Wunder!Ägypten ist schließlich weit weg und was lokal passiert ist für die Zuschauer/Hörer sowie so viel interessant. Gerade bei dem Thema Ägypten erwies sich dieser Grundsatz wohl als falsch, denn Ägypten ist nun nach Tunesien zu einem weiteren großen Teil der Kette geworden, in dem Menschenmassen mit ihrer Regierung nicht zufrieden sind. In Tunesien wie Ägypten begann alles mit einer öffentlichen Selbstverbrennung und führte zu Gewalt, Protesten und im falle Ägyptens sogar zu staatlicher Gewalt. Dabei interessant ist wohl auch der Aspekt, dass es derartig große Proteste wohl in der Geschichte Ägyptens nie gegeben hat.
Zahlensicherheit vor Information
Bei deutschen Medien ein nicht zu verachtender Faktor: Das Geld und die Zuschauerzahlen. Beides wird in Deutschland als sehr wichtig erachtet. Deshalb werden Songs getestet, eh sie im Radio laufen, deshalb wird vor Serien ein Zuschauerscreening gemacht und so weiter. Wenn ein Fall wie Ägypten keine Zuschauer abwirft, dann gibt es dementsprechend auch keine Berichterstattung. Hier wollen deutsche Medien auch kein Risiko eingehen. Deshalb wird auf Themen erst aufgesprungen, wenn sie groß von einem Mutigen aufgebauscht wurden. Vorher traut man sich wie schon oben geschrieben nur an die Service- und Regionalthemen. Ein großer Verlust, der uns leider dazu führt, dass unsere Medien uninteressant über die Jahre geworden sind. Große Experimente bleiben erstmal aus. Im Fall Ägypten wirds in den nächsten Wochen weiter ausgebaute Berichterstattung geben. Das Thema scheint in der Öffentlichkeit angekommen zu sein. Im internationalen Vergleich zu spät.
Sind deutsche noch keine Weltbürger?
Das Problem mit der Berichterstattung liegt dabei allerdings nicht allein bei den Medien, sondern auch bei der Bevölkerung. Die deutsche Bevölkerung ist bisher eher weniger weltoffen, sondern kümmert sich in den meisten Fällen darum, was gerade so vor der Haustür passiert. Auch deshalb haben die Medien vermutlich derartig reagiert. Hier muss sich auch die deutsche Bevölkerung noch etwas wandeln, weil es hier sonst im Laufe der Jahre das Problem geben könnte, dass die Weltgeschichte an den Deutschen vorbei geht. Insgesamt sind nur 8 Prozent der Deutschen laut aktuellen Studien Politikinteressiert. Viel wichtiger sind ihnen Promis, das aktuelle Fernsehprogramm und Servicenews. Auf diesem Aspekt basierend verwundert es nicht, dass Ägypten bisher lediglich eine kleine Rolle gespielt hat.
Auch wenn es von Seiten einiger Blogger und auch etablierter Medien kritisiert wurde: Richard Gutjahr hat mit seinem Vorstoß, nach Ägypten zu fahren das Thema gewissermaßen ein Stück in den Fokus geholt. Genau das könnte auch sich insgesamt auf die Medienlandschaft auswirken. Es braucht wieder mehr Investigativjournalisten wie ihn, die einfach dabei sind und eine unabhängige aber umfassende Berichterstattung aus der Ich-Perspektive anbieten. Es sollte mehr wie ihn geben.
Christoph Till
