Um das Medium Podcast ist es mittlerweile in den privaten Kreisen ziemlich ruhig geworden. Keiner redet mehr von einer Revolution, die die Massenmedien dazu beeinflussen wird oder letztendlich das Radio verdrängen wird. Vielmehr ist ein Stück Ernüchterung eingetreten. Das einst so hoffnungsvolle Medium spielt in privaten Kreisen zumindest was die Produzenten betrifft mehr und mehr eine kleine Rolle. Es gibt zu wenig Feedback, eventuell auch zu wenige Downloads - nur einige wenige Namen ziehen das Publikum noch regelmäßig an den Mp3-Player oder die Computerlautsprecher. Trotzdem hat sich das Medium Podcast etabliert - wenn auch nicht in der Form, wie es ursprünglich gestartet ist.
Als ich 2006 meinen ersten Podcast gestartet habe, war das Medium für mich ein absoluter Meilenstein. Gründe dafür gab es viele - vor allem aber die Einfachheit in der Produktion überzeugte mich letztendlich zuerst Input Podcast und dann Daily Pod zu startet. Auch die Szene hatte damals wirklich sehr große Aktivitäten gezeigt - es gab einen Podcastverband, einen Podcastclub, große Podcasttreffen und auch das Radio zeigte Interesse an dem neuen Medium. Regiocast hatte mich damals sogar zu einem Treffen mit rund 20 anderen Podcastern eingeladen, die unsere Podcasts auf UKW Sendern mitverwerten wollten. Im Gegensatz zu den meisten Podcastern, die mit waren fand ich das eine super Idee - immerhin bedeutet das Reichweite und Reichweite bedeutet hohe Werbeerlöse. Und Geld konnte man mit dem Medium damals noch gut verdienen. Es gab Audioads, Podad und AdPlace, die alle Podcasts vermarkten wollten.
Heute ist es viel ruhiger geworden um die Podcastszene. Ich persönlich produziere noch Podcasts, aber viele andere haben aufgehört. Die Podcastcommunities sind etwas ruhiger geworden - die Konsumentenschicht hat das Medium erreicht. Auch die Art, Podcasting zu betreiben hat sich ein Stück verändert. Podcasting ist heute nicht mehr zwangsweise mit ITunes oder einem anderen Podcatcher verbunden, sondern findet im Wesentlichen zum einen auf Smartphones und zum anderen auch via Flash Player auf der eigenen Seite. Das Medium an sich bzw. das Prinzip der Mediennutzung hat sich damit erheblich vereinfacht. Möglich machen es die neuen Internetzugänge, die auch den mobilen Genuss von Unterhaltung ermöglichen.
Zum Anderen sind einige Podcaster auch dazu übergegangen live zu senden. Ich habe mich letztendlich dafür entschieden, weil es mir erweiterte Interaktionsmöglichkeiten bietet - andere vielleicht auch deswegen, weil das klassische Podcastprinzip einfach zu kompliziert ist.
Deswegen ist es nicht unbedingt richtig davon zu sprechen, dass das Medium an sich kaputt sei, denn es lebt nach wie vor. Allerdings hat sich die Weise verändert, wie der Podcast zum Zuhörer/Zuschauer kommt verändert. Keine komplizierten Wege auf den Mp3 Player sind nötig, sondern lediglich ein gutes Smartphone oder ein Rechner, auf dem ein Flash Player installiert wird. Die Beitragsform hat sich im Wesentlichen von ganzer Sendung hin zu einzelnem Beitrag in Kurzform mit festgesetzem Thema gewandelt. Podcasts haben heute einen Servicecharakter - früher hatten sie einen Unterhaltungs- und Servicecharakter. Das ist eine Entwicklung, die mich zufrieden stellt, aber nicht glücklich macht. Die Kultur eine On Demand Show auf die Beine zu stellen hat nämlich aus meiner Sicht seinen eigenen Reiz. In Großbritanien funktioniert dieses Prinzip - die BBC macht es eindrucksvoll vor - dass Podcasts auch eine Show sein können. Es ist Zeit, dass wir in Deutschland uns dessen auch mal bewusst werden. Aus meiner Sicht muss es weg gehen von den 1,5 Minuten Podcasts hin zu den 60 Minuten Podcasts, die eine gute Show liefern. Ein gutes Beispiel dafür hat der Hoppe mit "Die Hoppe Show" geliefert.
Links zum Thema Podcasting
Podcast.de - sehr gutes Podcastingportal, auf dem 50000 Menschen aktiv sind
Ein aktueller Beitrag von Thomas Wanhoff zum Thema Podcasting
Christoph Till
