Die Bibel: Auch ein Telefonbuch?

Bildquelle: Dieter Schütz  / pixelio.de
Bildquelle: Dieter Schütz / pixelio.de

Kennt ihr das Telefonbuch? Wer kennt es nicht. Es ist das meistgedruckte Buch in Deutschland. Seit kurzem arbeite ich für den SachsenVerlag. Das ist einer der vielen in Deutschland beauftragten Verlage, die das Telefonbuch drucken und vermarkten. Mittlerweile gibt es auch nicht mehr nur eines, sondern zusätzlich noch die GelbenSeiten als Branchenbuch und das Örtliche, welches kleinere Kreise als das Telefonbuch bedient und somit etwas lokaler ausgerichtet ist. Ein Telefonbuch ist praktisch. Schließlich können darin Unternehmen wie auch Privatpersonen gefunden und anschließend angerufen werden. Am 14. Juli 1881 wurde das erste Telefonbuch in Deutschland veröffentlicht. Damals gab es darin nur rund 130 Einträge und es kam nur in Berlin heraus. Mittlerweile sind es natürlich wesentlich mehr. Die meisten Bürger und Unternehmen sind in diesem Buch Verzeichnis. Wenn wir ehrlich überlegen, dann gibt es das Telefonbuch aber nicht erst seit 1881. Bereits seit rund 2000 Jahren gibt es ein anderes Telefonbuch, das allerdings insgesamt nur einen Kontakt verzeichnet hat. Der Vorteil: Auch wenn es sich um das meist gedruckte Buch der Welt handelt und sicherlich viele die Nummer Gottes, die darin hinterlegt ist anrufen: Besetzt ist niemals und vor allem kostet es Nichts dort anzurufen. Auch muss Gott keine Anzeigen in dem Buch schalten um besser gesehen zu werden - weil er sein Telefonbuch, die Bibel, selbst in Auftrag gegeben hat.

Die Telefonnummer Gottes

Als Kinder bekamen wir im Religionsunterricht oder auf christlichen Freizeiten eine kleine Karte, auf der die Telefonummer Gottes stand. Sie lautet 5015. Jetzt fragt ihr euch sicher: 5015? Ist das eine Sonderwahlnummer für die ich massig Geld bezahlen muss? Nein! Es handelt sich um Psalm 50,15. Darin steht: "und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen." 
So einfach ist Gottes Telefonnummer: Wenn du in einer Notlage bist, dann falte einfach deine Hände und ruf Gott an. Es ist keine Sondernummer und es gibt kein Callcenter, bei dem du dich erst einmal mit dem Drücken auf Nummern durch ein Menü quälen musst. Auch geht kein Anrufbeantworter heran. Stattdessen hört Gott selbst dein Gebet. Wir Menschen haben nur ein einziges Problem: Wir sind nicht dazu in der Lage richtig zu beten. Selbst der frommste Christ auf dieser Welt kann nicht richtig beten. Der Grund dafür ist die Sünde, die uns quasi von Gott entwöhnt hat. Doch es gibt Hilfe. Und das ist denke ich besonders für Anfänger ein guter Trost. Denn manchmal hat man einfach das Gefühl, dass das eigene Gebet nur bis zur Decke geht und dass Gott sich mein Gestammel sicherlich nicht gern anhört. Viele Menschen haben schon Angst vor ihrem ersten Gebet bekommen. In Römer 8,26 steht: "Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen."  Der Mensch an sich ist, weil wir eben Sünder sind und uns von Gott abgewandt haben, nicht in der Lage selbst zu beten. Gott selbst hat hier ganz einfach eingegriffen. Er hat "den Geist" gesandt, der uns in unserer Schwachheit aufhilft. Das jetzt ausführlich zu erklären, ist etwas zu schwierig. Nur soviel: Der Heilige Geist ist von Gott gesandt. Er ist ein sogenannter Tröster (siehe Johannes 14,26), der unsere Gebete zu Gott bringt und uns gleichzeitig hilft, die Bibel zu verstehen, Gottes Willen zu erkennen und richtig zu handeln. Wie lang und schön formuliert ein Gebet auch sein mag: Der Heilige Geist kanns noch erheblich besser. Er bringt unsere Bitten vor Gott und hilft uns damit, richtig zu beten. Für jeden Beter heißt das: Egal ob du stammelst oder schon ein toll formuliertes Gebet auf den Lippen hast: Der Heilige Geist hilft dir, dass dein Gebet sicher ankommt und Gott es so versteht, wie du es meinst.

Was soll ich beten?

Eine Telefonnummer bringt natürlich Nichts, wenn du nicht weißt, was du mit Gott bereden sollst. Zunächst einmal: Mit Jesus reden kannst du wie mit einem Freund. Jesus sagt in Johannes 15,15: "Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan." Jesus will, dass wir ihn als unseren Freund betrachten. Allerdings ist das an eine Bedingung geknüpft: Wir müssen uns für Jesus entscheiden und bereit sein, seinem Willen zu folge. Das Gebet bedeutet gewissermaßen auch: "Ich lasse mich auf Gottes Willen ein". Dazu werde ich später im Text noch etwas schreiben. In jedem Fall hat Jesus uns mit dem "Vater unser" ein Gebet gegeben, dass wir als Grundlage nehmen können. Es findet sich in Matthäus 6,9-13. Achtung: Dass Jesus uns dieses Gebet gegeben hat bedeutet nicht, dass wir es wie ein Mantra immer wieder herunterbeten sollen. Für den Anfang ist es aber gut und man kann es durchaus auch wörtlich beten. Vielmehr ist es ein Muster über was wir beten können. Zunächst steckt im "Vater unser" die Anerkennung drin: Gott ist unser Vater. Außerdem ist sein Name "heilig". Er ist derjenige der uns versorgt und derjenige, der uns unsere Vergehungen vergibt. Er hält das Böse von uns fern und schützt uns vor der Versuchung. Ich will das Gebet jetzt nicht inhaltlich auseinander nehmen. Es geht viel mehr darum, darin Grundelemente zu entdecken, die wir in unserem Gebet verwenden können. Die herausgestellten Punkte waren mehr Beispiele um zu zeigen, was in deinem Gebet drin sein kann. Alternativen zum "Vater unser" sind die Psalmen. Einen kleinen Tipp habe ich bei Martin Luther in dem Buch "Wie man beten soll" gelesen. Darin schreibt er: Nimm jede Bitte eines Psalms, des "Vater unsers", eines Gebots oder eines biblischen Spruchs und mach sie zu deiner eigenen Bitte. Du wirst merken: Je öfter du betest, desto freier wirst du in deinem Gebet.

Wie soll ich beten?

Wenn es um das Gebet geht, versuche ich mich immer nach dem Meister des Gebets, Jesus selbst, zu richten. In Markus 1,35 steht: "Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort." Es gibt noch viele weitere Stellen, an denen etwas Ähnliches von Jesus gesagt wird. Zum Beispiel geht er, nachdem er zu Menschen gesprochen oder gehilt hat auf den Ölberg oder an einen anderen einsamen Ort, um dort mit seinem Vater im Himmel zu sprechen. Es fällt auf: Jesus hat sich feste Zeiten eingerichtet, zu denen er gebetet hat. Es war morgens ganz früh, noch bevor er jemanden gesehen hat und abends nachdem er die letzte Person gesehen hat. Er ist auch manchmal regelrecht vor der Masse der Menschen geflohen um die Zeit mit seinem Vater am Abend zu haben. Das Gebet war die Grundlage dafür, dass Jesus so wirken konnte, wie er es tat. Teilweise betete er ganze Nächte durch. Ein wichtiger Punkt ist also: Feste Zeiten sind gut, um mit Gott zu sprechen. Natürlich kannst du zusätzlich auch noch spontan beten. Empfehlenswert ist ein Zeitpunkt am Morgen und ein Zeitpunkt am Abend. Wie Jesus es praktiziert hat, so empfiehlt auch Martin Luther, dass das Gebet das erste Werk am Morgen und das letzte am Abend sein soll.

Weiter wichtig ist außerdem der Ort. In Matthäus 6,6 steht: "Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten." Jesus bezieht sich hier in erster Linie darauf, dass wir Beten nicht als ein "Werk" begreifen sollen, mit dem wir denken, dass wir uns bei Gott etwas verdienen können. Ich denke aber, dass auch ein anderer wichtiger Punkt hier zum Tragen kommt: Bete an einem Ort, an dem Gott und du allein sind. Es geht darum, dass du alles aus der Welt hinter dir lässt. Das heißt: Handy aus, Computer aus und auch sonst solltest du versuchen alles, was dich stören kann aus dem Weg zu räumen. Ich selbst kenn das sehr gut: Mache ich bei der Andacht nicht das Handy aus denke ich die ganze Zeit darüber nach, wer mir da geschrieben oder etwas auf Facebook kommentiert hat. Deswegen gilt bei mir während der Andacht konsequent: Handy aus!

Neben der festen Zeit und dem Ort möchte ich auch noch etwas zum Thema Gebetshaltung sagen. In der letzten Zeit wird hier immer mehr gesagt: "Das kannst du so machen wie du willst". Natürlich ist die Herzenshaltung in erster Linie beim Gebet entscheidend. Das heißt Gott weiß: Bete ich jetzt nur, weil es für mich Tradition ist oder bete ich, weil ich Gott alles anvertrauen möchte was mich beschäftigt - sei es positiv oder negativ. Ich persönlich bin der Überzeugung: Meine Herzenshaltung wird durch meine körperliche Haltung ausgedrückt. Deswegen versuche ich zu sitzen, zu knien oder zu stehen. Liegen kommt für mich schon deswegen nicht infrage, weil ich dann an schwierigeren Tagen einschlafen würde und ich mich auch nicht so gut auf das Gebet konzentrieren würde. Ich würde dir das auch empfehlen: Sitze, knie oder stehe. Am besten ist aus meiner Sicht dabei knien oder stehen. Glaub mir: Es macht einen Unterschied. Weiterhin empfiehlt es sich, die Hände zu falten. Aber du kannst auch gern deine Hände benutzen, um dich vor Gott auszudrücken.

Nicht nur für mich, sondern auch für andere beten!

In Jakobus 5,16 steht: "Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist." Der Text hier bezieht sich speziell auf den Fall, wenn jemand aus der Gemeinde krank ist. Damals kam dann der Älteste aus der Gemeinde zu dem Kranken nach Hause. Der Kranke bekannte seine Sünden. Weiterhin bekannten alle ihre Sünden, die untereinander Streit und Auseinandersetzungen hatten. Ja: Krankheit und Sünde haben sehr viel miteinander zu tun, auch wenn eine Krankheit nicht bedeutet, dass jemand eine Sünde getan hat. Hier muss man vorsichtig sein. Abseits der Krankheit sagt der Text aber auch noch, dass wir füreinander beten sollen. Ich halte das sogar für essentiell wichtig. Der Grund dafür ist einfach: Mit dem Gebet legen wir Gott Probleme in seine Hand. Und das können eigene Probleme, aber auch die Probleme von anderen sein. Gleichzeitig können wir Gottes Handeln so auch besser erkennen. Ich selbst habe mir ein Gebetsbuch angelegt, in dem alle Anliegen drin stehen, für die ich bete. Dabei bete ich für meine Familie, meine Freunde, meine Gemeinde und andere Menschen. Wenn du nach Anliegen suchst, kann dir auch die Seite Amen.de weiterhelfen, da hier viele Menschen ihre Anliegen reinstellen. Gebet ist für alle da, aber nicht alle wissen wie man das macht. Deswegen: Bete für andere Menschen. Es lohnt sich und du wirst Gottes Handschrift auch in ihrem Leben sehen.

Die Checkliste: Beten ganz einfach

Hier noch einmal alle wichtigen Infos kurz zusammengefasst:

  • Gottes Telefonnummer ist (Psalm) 50,15
  • Du kannst ihn jederzeit anrufen - nie ist ein Akku leer oder besetzt
  • Keine Angst vor dem Stammeln - der Heilige Geist übermittelt es so, wie es Gott gefällt (Römer 8,26)
  • Such dir für das Beten ein stilles Kämmerlein, damit du nicht gestört wirst und lege dir täglich eine Zeit fest
  • Als Grundlage für deine ersten Gebete kannst du die Psalmen oder das "Vater unser" nehmen und daraus deine eigenen Gebete formulieren
  • Bete nicht nur für dich, sondern auch für andere
  • Mit dem Gebet lässt du dich auf Gottes Willen ein

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